Was ist Stottern und wie ensteht Stottern?

Beim Stottern, da sind sich Wissenschaftler der unterschiedlichsten Fachgebiete einig, handelt es sich um eine höchst komplizierte Sprachstörung. Über die Entstehung des Stotterns gibt es zahlreiche Theorien. Als Ursache werden unter anderem genetische, organische, psychosoziale und linguistische Faktoren genannt. Allein in Deutschland gibt es etwa 800.000 Stotterer, die oftmals trotz vielfältiger Behandlungen nicht flüssig sprechen können. In der Gesellschaft wird diese Behinderung nur in Ausnahmefällen akzeptiert.

Das medizinische Lexikon Pschyrembel definiert Stottern als „Störung des Redeflusses, die häufig situationsbedingt, insbesondere bei mitteilendem Sprechen auftritt und bei emotionaler Beteiligung zunimmt.“



Die Entstehung von Stottern (Logospasmus)

Rein vom körperlichen Ablauf her betrachtet entsteht Stottern dadurch, dass der Stotterer versucht, den ungemein komplizierten und normalerweise im Unterbewusstsein ablaufenden Sprechvorgang bewusst zu steuern. Der Versuch, die Bewegungen von Lippen, Kiefer, Wangen, Zunge, Kehlkopf, Stimmbändern und die Ausatmung in eine bewusste synchrone Übereinstimmung zu bringen und dabei außerdem noch den Sinn des Gesprochenen zu beachten, ist aber von vornherein zum Scheitern verurteilt. Vielfach wird in der Literatur behauptet, Stottern habe eine körperliche Ursache, dies ist jedoch nachweislich falsch. Zwar führt das Stottern zu körperlichem Fehlverhalten - wie beispielsweise einer falschen Atemtechnik - aufgrund seiner langjährigen Erfahrung können wir heute jedoch eindeutig nachweisen, daß die Ursache für das Stottern immer rein psychisch sein muß. Allein die Tatsache, dass alle Stotterer unter Hypnose fließend sprechen, beweist, dass keine organischen Schädigungen vorliegen können, die dies unmöglich machen würden.

Der Grund, warum der Stotterer den Versuch unternimmt, „bewusst“ zu sprechen, liegt vor allem in seiner Umwelt. Der zeitliche Beginn der Störung liegt sehr häufig im frühen Kindesalter, ebenso wie die auslösende seelische Ursache. Ein stärkeres seelisches Trauma oder ein Konflikt „verschlägt“ dem meist übersensiblen Kind „die Sprache“. Ein schwerer Autounfall in der frühen Kindheit stellt hier ein klassisches Beispiel dar. Weitere mögliche Ursachen sind: Starke Erlebnisse, Schreck, Angst, Konflikte, Erziehungsfehler, Ungeduld, Grobheit, Hänseln, negative Sprachvorbilder, Hast, Erwartungsangst oder der eigene zu hohe Anspruch des Kindes.

In der Folge führt das beginnende Stottern in der Regel dazu, dass dem Kind von Seiten der Eltern erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet wird, vor allem in Form von Ermahnungen. Der Hinweis, sorgsamer zu sprechen, führt jedoch beim Kind wiederum dazu, dass dieses durch seine gesteigerte Aufmerksamkeit für seinen gestörten Sprachvorgang diesen weiter kompliziert. Im Resultat verschlimmert sich die Sprachstörung kontinuierlich. Wiederholt konnte auch nachgewiesen werden, dass viele Betroffene unterbewusst am Stottern festhielten, da ihnen so die ersehnte Zuwendung und Aufmerksamkeit zuteil wurde.

Die bewusste Konzentration auf den Sprechvorgang und die bewusste Angst vor dem Stottern und dem Spott haben zur Folge, dass sich die Stotterer-Symptome immer weiter verstärken und den Betroffenen schließlich ein normales flüssiges Sprechen unmöglich wird.

Stottern wird zur bedingten Reaktion! Das Resultat ist kontinuierliche Sprechangst. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, inwieweit die üblichen Therapien durch Sprachschulen das Stottern sogar weiter verstärken. Auch die Sprachschulen lenken die Aufmerksamkeit bewusst auf die Steuerung des Sprachvorgangs. Dies führte aber bereits im Entstehungsprozess des Stotterns zu einer Zunahme der Symptomatik.